Erinnerungen an die Mittelschule: Looking back in anger or joy?

Woran erinnern sich ehemalige Mittelschüler*innen, wenn sie auf ihre Schulzeit zurückblicken? Und sind diese Erinnerungen eher positiv oder negativ? Fünf Absolvent*innen verschiedenen Alters erzählen.

11. September 2020

Von wahrlich nasskalten Herbsttagen in Genf

«Kurz bevor wir uns auf der Klassenfahrt in Genf auf den Weg zum Museum des Roten Kreuzes machten, wollte ich noch eben die Wassertemperatur des Sees testen. Es war November, kalt, nass. Ich rutschte aus … und in den See. Die Ausstellung zu Henry Dunant habe ich dann in den Ersatzhosen unseres Mathelehrers besucht.»

B. Hess, 37 Jahre, Matura 2002 an der Kantonsschule Wiedikon

Von gemeinsamen Projekten, auf die alle stolz sein konnten

«Von meiner Gymi-Zeit habe ich viele schöne Erinnerungen, vor allem von Ausflügen und Lagern – also den nicht alltäglichen Events. Eine Erinnerung sticht allerdings besonders hervor: Jene aus der Zeit, als wir das Musical «We Will Rock You» geprobt und aufgeführt haben. Ich war damals im Chor, stand also ziemlich im Hintergrund. Dennoch fand ich es wahnsinnig toll zu sehen, wie das Musical Form annahm, wie wir von vielen missratenen Proben zu den wirklich gelungenen Auftritten hinarbeiteten. Gemeinsam stellten wir etwas auf die Beine, sodass am Ende jeder stolz sein konnte, egal wie klein der Beitrag war. Dafür störte es dann auch nicht, dass man nach der Schule noch länger bleiben musste, um den Proben beizuwohnen.»

Joana Herter, 25 Jahre, Matura 2014 am Literaturgymnasium Rämibühl

Von Demos und grandiosen Aussichten

«Die Erinnerungen an meine Mittelschulzeit sind eher durchzogen. Im Sommerhalbjahr begann der Unterricht um 7.15 Uhr, ich musste dafür um 6.12 Uhr in den Zug steigen. Im Winterhalbjahr aber startete die Schule erst um 8.15 Uhr, ich war viel zu früh dort. So durfte ich im Musikzimmer meines Klavierlehrers eine Stunde üben und wurde damit zu seiner Lieblingsschülerin. Zumindest im Winter. Ich erinnere mich auch an die grandiose Aussicht aus dem Klassenzimmer. Ich kannte die Namen jedes einzelnen Berges genauer als die Konjugationen der französischen Verben. In Erinnerung geblieben ist mir auch mein Geografielehrer. Er war der Einzige, der uns logisches Denken beibrachte. Leider wurde er plötzlich entlassen, was mir meine erste Demo-Erfahrung bescherte.»

Elisabeth Hauser, 73 Jahre, Matura 1965 an der Kantonsschule Zürcher Oberland

Von ersten Noten und süssen Versuchungen

«Ich habe viele schöne Erinnerungen ans Gymi, die meisten davon haben ausserhalb des Schulzimmers stattgefunden. So das «Herumhängen» mit den Mitschülerinnen und Mitschülern auf dem Pausenplatz oder der tägliche Gang in die Mensa, um ein Schoggigipfeli zu kaufen. Was mir aber am meisten geblieben ist, ist der Moment, als wir nach der Probezeit zum ersten Mal Noten gekriegt haben. Nach neun Jahren Steinerschule ohne Benotung war es für mich ein absolutes Highlight, meine Leistung mal schwarz auf weiss bewertet zu sehen.»

Lukas Keller, 37 Jahre, Matura 2003 an der Kantonsschule Wiedikon

Von der Chance, sich der eigenen Interessen bewusst zu werden

«Ich bin froh, musste ich mich nicht früh für eine Lehre entscheiden. Am Gymi hatte ich die Möglichkeit, mich sieben Jahre lang zu entwickeln. Ich hatte Zeit, mir bewusst zu werden, was mich interessiert, was nicht und was ich will. Das Gymi ermöglichte mir einen Einblick in viele verschiedene Themen und lernte mich kritisches und selbständiges Denken. Es war eine anstrengende aber auch eine schöne Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnere.»

Lena Bouvard, 20 Jahre, Matura 2020 am Liceo Artistico