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XD – sie haben gewonnen

Hexenverfolgung, Schweizer Neutralität, Jassen und Frauenförderung in MINT – die Themenvielfalt der diesjährigen Maturitätsarbeiten war wiederum immens. Von rund 3000 erstellten Arbeiten wurden knapp 60 in der Ausstellung ausgezeichneter Maturitätsarbeiten vorgestellt. Fünf davon wurden prämiert.

30. Mai 2024

Nächstes Jahr in Jerusalem – Aharons Reise

Eine Graphic Novel

Flora Hasting Benezris Graphic Novel erzählt die Geschichte ihres marokkanischen Grossvaters Aharon. Der marokkanische Jude flüchtete nach Israel, die Autorin zeichnet seinen Lebensweg in illustrierten Tagebucheinträgen nach. Diese geben Einblick in Aharons Reise nach Jerusalem und zeigen, wie er sich in der neuen Heimat ein neues Leben aufbaut – konfrontiert mit Diskriminierung und der Einsicht, dass er sich als nicht-europäischer Jude stets doppelt bemühen und beweisen muss.

Flora Hasting Benezri sagt: «Ohne meine Auseinandersetzung mit diesem Thema hätte ich niemals erfahren, dass meine Familie in der Vergangenheit derart diskriminiert wurde und dass dies der Grund ist, warum jemand, der mir so viel bedeutet, noch heute so viele verborgene Wunden in sich trägt.»

Zur Arbeit von Flora Hasting Benezri

Feministinnen

Vier Stimmen, eine Bewegung im Wandel der Zeit

Livia Sulzer setzt sich in ihrer Arbeit mit der feministischen Bewegung auseinander. Viele Forderungen der Bewegung wurden umgesetzt, für zahlreiche Anliegen kämpfen sie weiterhin. Wie unterscheiden sich die Generationen der Anhänger*innen, wo liegen ihre Gemeinsamkeiten? Diesen Fragen ging Livia Sulzer nach – mit einem Film, in dem sie vier Frauen aus unterschiedlichen Generationen porträtiert. Diese erzählen von ihren Ansichten, Lebensgeschichten und Erfahrungen als Teil der feministischen Bewegungen. Entstanden ist ein berührender und humorvoller Film, der die Vielseitigkeit des Feminismus aufzeigt.

Livia Sulzer sagt über ihre Arbeit: «Meine Maturitätsarbeit brachte mir spannende Begegnungen, neue Perspektiven und die Freude an einer neuen Kunstform.»

Zur Arbeit von Livia Sulzer

Von Widerstandskämpfern und anderen Helden

Das «Dritte Reich» im Familiengedächtnis: Deutschland und Norwegen im Vergleich

Wie erzählen Zeitzeug*innen des Zweiten Weltkriegs ihren Nachkommen ihre Geschichte, und wie wird das «Dritte Reich» in den Geschichtsbüchern dargestellt? Annika Kernland untersucht in ihrer Arbeit, wie zwei Familien die Schilderungen aus der Zeit des Nationalsozialismus über Generationen weitergeben und wie sie sich dabei verändern.

Die Autorin sagt: «Diese Arbeit stellte mein Bild, das ich von meiner Familie hatte, radikal in Frage.» Sie begegne heute aber nicht nur den Erzählungen anderer, sondern auch ihren eigenen, teils unbewussten Verklärungen kritischer als früher.

Zur Arbeit von Annika Kernland

Thickness Identification of 2D Materials by Optical Imaging

Exploring the Relation between Colour and Thickness for FePS3 and NbSe2

Elias Baumanns Maturitätsarbeit befasst sich mit 2D-Materialien, insbesondere mit ihrer Dicke. Diese beeinflusst die Charakteristika der Materialien stark und muss daher vor jedem Experiment bestimmt werden. Elias Baumann untersucht, ob sich die Dicke auch durch optische Bildgebung bestimmen lässt und testet deren Zuverlässigkeit. Er kommt zum Schluss, dass dieses Verfahren eine verlässliche, schnelle und kostengünstige Methode ist, die Dicke von 2D-Materialien zu bestimmen.

Der Autor fasst zusammen: «My work captures physics – a coexistence of beauty and utility.»

Zur Arbeit von Elias Baumann

Autonomous robot for fall detection and emergency alerts

Restoring my grandmother’s independence

Victoria Hoffmann entwickelte für ihre Maturitätsarbeit einen autonomen Roboter, der gefallene Personen identifizieren kann. Denn ältere Menschen fallen öfter und riskieren dabei gravierende Verletzungen. Victoria Hoffmanns Roboter schiesst Bilder der gefallen Person und schickt diese per E-Mail an potenzielle Helfer*innen.

Die Autorin rüstete den Roboter mit der notwendigen Hardware aus und programmierte sein System. Über diesen Prozess sagt die Autorin: «Konstruieren, Programmieren, Evaluieren: bei der Entwicklung des autonomen Roboters habe ich komplexe Herausforderungen kreativ gelöst und meine Begeisterung für Künstliche Intelligenz entdeckt – ein wichtiger Impuls für mein Informatikstudium!»

Zur Arbeit von Victoria Hoffmann