Aufbruchstimmung am Zimmerberg

Linkes Zürichseeufer. Pfnüselküste. Schattenloch. Die Region Zimmerberg fristet aus Sicht der mondänen Goldküste ein trostloses Dasein. Doch bald geht auch hier die Sonne auf. Im kommenden August öffnet die neue Kantonsschule Zimmerberg in Au/Wädenswil ihre Pforten – als 22. staatliche Mittelschule im Kanton Zürich.

27. April 2020

 

Wer wissen will, wie viele helle Köpfe auf der dunkeln Seite des Zimmerbergs leben, fährt am besten Zug. Jeden Vormittag verlassen Hunderte von Mittelschüler*innen ihren Wohnort und pendeln in die grosse Stadt, nach Zürich, wo sie sich auf verschiedene Schulen verteilen. Diese heissen Freudenberg, Enge, HoPro, Wiedikon, Stadelhofen oder Rämibühl und platzen seit langem aus allen Nähten.

Der Kanton Zürich verfügt grundsätzlich über eine gut ausgebaute Schulinfrastruktur. Damit dies trotz stetig wachsender Schüler*innenzahlen so bleibt, hat der Regierungsrat schon vor Jahren beschlossen, zwei neue Mittelschulen zu errichten: die Kantonsschule Uetikon am See, die 2018 ihren Betrieb aufnahm, und die Kantonsschule Zimmerberg, die im kommenden August mit rund 100 Schüler*innen startet.

Vom Provisorium zur festen Grösse

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, der Zeitplan ist eng getaktet. Noch deutet wenig darauf hin, dass die Kantonsschule Zimmerberg schon in wenigen Monaten betriebsbereit sein wird. Doch im ehemaligen VonRoll-Gebäude in Au/Wädenswil, das in den ersten Jahren als Provisorium dienen wird, entsteht zurzeit eine komplette Schulinfrastruktur. Dazu gehören neben den allgemeinen Unterrichts- und Betriebsräumen auch eine Aula, eine Mediothek, Vorbereitungsräume für das Kollegium, eine Mensa, ein Fitnessraum und ein Aufenthaltsraum für die Schüler*innen.

Das Provisorium liegt an erhöhter Lage am Waldrand und soll bis in fünf Jahren rund 500 Schüler*innen aufnehmen. Pluspunkte sind die naturnahe Lernumgebung, der parkähnliche Aussenbereich und die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Ein kleiner Nachteil ist der dezentrale Standort im Gewerbegebiet Moosacher – direkt neben der Fischer Bettwaren AG, die mit Federn von toten Tieren für einen gesunden, tiefen Schlaf sorgt.

Der Umzug an den definitiven Schulstandort ist für 2028 geplant. Vergangenen November hat das Wädenswiler Stimmvolk den privaten Gestaltungsplan Au-Park mit 62 Prozent gutgeheissen und damit grünes Licht für den Bau einer Schulanlage gegeben. Diese wird rund 1000 Schüler*innen Platz bieten. Zurzeit erarbeitet die kantonale Baudirektion die Grundlagen für einen Architekturwettbewerb, der darüber entscheidet, wie die Kantonsschule Zimmerberg letztlich aussehen wird.

In der Region verwurzelt

Mit der neuen Schule erweitert die Zürcher Bildungsdirektion nicht nur ihr gymnasiales Angebot, sondern setzt auch ein klares Zeichen für die Region Zimmerberg: Sie unterstützt damit die lokale Verankerung der Jugendlichen und ermöglicht ihnen einen Schulbesuch in der Nähe ihres Wohnorts.

Dass sich Schüler*innen an der Kantonsschule Zimmerberg wohlfühlen, ist ganz im Sinne der Schulleitung, wie der Gründungsrektor, Urs Bamert, betont: «Unsere Schule soll für alle zu einem Campus werden, an dem Lernen, Unterrichten und Arbeiten Freude macht. Der Mensch steht im Zentrum des Geschehens. Jeder trägt seinen Teil bei, damit wir zu einer Schule mit Werten werden, zu einer Schule, die Vertrauen und Sicherheit vermittelt.»

Urs Bamert bringt alles mit, um aus der Kantonsschule Zimmerberg eine erfolgreiche Bildungsinstitution zu machen. Als ehemaliger Rektor der Kantonsschule Wiedikon weiss er, worauf es ankommt, und verfügt über das nötige Fingerspitzengefühl im Umgang mit Lehrpersonen, Jugendlichen, Schulangehörigen und Eltern.

Das volle Programm

Die Kanti Zimmerberg startet im Sommer mit je zwei Klassen im Kurz- und Langgymnasium und bietet die vier Maturitätsprofile altsprachlich, neusprachlich, mathematisch-naturwissenschaftlich und wirtschaftlich-rechtlich an. Neu sind Fächer wie beispielsweise «Naturwissenschaftliches Forschen» oder «Religionen, Kulturen, Ethik».

Noch gibt es viel zu tun bis im Sommer. Das Leitbild steht, die Lehrpläne sind erarbeitet. Das Wichtigste aber sind die Lehrer*innen, die nach Au/Wädenswil ziehen, und natürlich die Mitarbeitenden aus Verwaltung und Betrieb. «Ein engagiertes und motiviertes Team prägt das Gesicht einer Schule entscheidend», sagt Urs Bamert und fügt hinzu: «Ich schätze mich glücklich, dass wir den richtigen Mix aus Persönlichkeiten gefunden haben, die sich mit Sachverstand, Empathie und viel Freude auf das Abenteuer Zimmerberg einlassen.»

Da fehlen nur noch die Schüler*innen, die Leben in die Schule bringen. Im März fanden die Aufnahmeprüfungen statt, und die vielen Anmeldungen zeigen, wie gross das Interesse am neuen Standort ist. «Wir freuen uns, wenn es endlich losgeht», sagt Urs Bamert, «das Gefühl, eine neue Schule von Grund auf mitzugestalten, ist schon etwas ganz Besonderes.»